Plötzlich ist es so weit. Man liebt sich, vergibt sich, erfreut und betreut sich. Jetzt wird geheiratet. Schuhe werden geputzt, Sträuße werden gebunden, Wiesen werden gemäht, ein Fest wird gefeiert. Man kann das so oder so tun. Man kann den Gästen die Amüsierparzelle per roséfarbenem Einzelplatzkärtchen mit glitzernder Flaumbetuffung zuweisen. Oder man feiert einfach. Man kann italienische Sprichwörter aus dem verstaubten Schatzkästlein der Spruchweisheiten klauben ("Ein Mann ohne Frau ist wie Spaghetti ohne Parmesan"). Oder man feiert einfach. Man besteigt vor Nervosität zitternd weiße Kutschen mit sechs dampfenden Schimmeln auf dem Weg ins Paradies. Oder man feiert einfach.
Man braucht nicht viele Dinge zum Heiraten. Man braucht zum Beispiel all das nicht, was die Autoren von "Der schönste Tag im Leben"-Büchern empfehlen. "Eine hübsche Erinnerung", heißt es da, "sind Weinbergschneckenhäuser, die mit frischem Moos gefüllt sind." Oder auch: "Themenhochzeit - im Kostümverleih finden Sie das Passende für das Burfräulein und den Ritter." Geschenkt.
Alles, was man braucht, sind Ringe. Sie liegen bereit. Sie warten. Sie schimmern. Sie strahlen Ruhe aus und Besonnenheit. Sie sehen aus, als wüssten sie mehr als ihre Träger. Und wenn man sie anzieht, dann fühlt es sich an, als hätte genau das noch gefehlt.
Was heißt Liebe? "Es läuft", hat Norman Mailer mal geschrieben, "sowieso immer alles auf die Frage hinaus, wer den Abwasch macht." Recht hat der Mann. Einerseits. Aber lassen Sie uns ruhig mal kurz kitschig werden. Das muss auch mal sein. In Wahrheit ist es nämlich so: Lieben heißt, einen anderen Menschen so zu sehen, wie Gott ihn gemeint hat.
Imre Grimm
Zeitung ist schon toll. GUTEN MORGEN
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